1.180 Euro für 70 Quadratmeter. Die Abrechnung liegt vor dir, und du fragst dich: Ist das viel? Wenig? Normal?
Die Antwort versteckt sich in einer einzigen Zahl — deinen Heizkosten pro Quadratmeter. Sie verrät dir innerhalb von Sekunden, ob du im grünen Bereich liegst oder ob sich ein genauer Blick auf deine Abrechnung lohnt. Rund jede zweite Heizkostenabrechnung enthält Fehler. Oft zulasten der Mieter.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Teile deine Jahresheizkosten durch deine Wohnfläche. Das Ergebnis vergleichst du mit diesen Werten (Heizspiegel 2025):
- Gas: 12,50–18,50 €/m² ist normal
- Fernwärme: 13,50–19,50 €/m² ist normal
- Öl: 11,50–16,50 €/m² ist normal
Liegst du deutlich darüber? Dann solltest du deine Abrechnung prüfen.
Was bedeutet "Heizkosten pro Quadratmeter"?
Die Heizkosten pro Quadratmeter sind dein Vergleichswert. Eine Zahl, die dir sofort zeigt, wo du stehst — unabhängig davon, ob du 45 oder 120 Quadratmeter bewohnst.
Die Berechnung ist simpel:
Jährliche Heizkosten ÷ Wohnfläche = Heizkosten pro m²
Ein Beispiel: Du zahlst 1.200 Euro Heizkosten im Jahr für deine 75-Quadratmeter-Wohnung. Das ergibt 16 Euro pro Quadratmeter. Dieser Wert lässt sich mit den Durchschnittswerten des Heizspiegels vergleichen — und zeigt dir, ob Handlungsbedarf besteht.
Aktuelle Durchschnittswerte 2024/2025
Der Heizspiegel 2025 wertet jährlich über 90.000 Gebäudedaten aus. Die Zahlen für das Abrechnungsjahr 2024 zeigen: Heizen bleibt teuer. Gas und Fernwärme sind erneut gestiegen.
Heizkosten nach Energieträger
| Heizungsart | Durchschnitt €/m² | Niedriger Verbrauch | Erhöhter Verbrauch |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 16,86 €/m² | unter 12,50 €/m² | über 18,50 €/m² |
| Heizöl | 15,07 €/m² | unter 11,50 €/m² | über 16,50 €/m² |
| Fernwärme | 17,79 €/m² | unter 13,50 €/m² | über 19,50 €/m² |
| Wärmepumpe | 10,21 €/m² | unter 7,50 €/m² | über 11,50 €/m² |
Quelle: Heizspiegel 2025, co2online. Werte für Mehrfamilienhäuser.
Was bedeutet das konkret? Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Gasheizung sind rund 1.180 Euro Heizkosten im Jahr normal. Bei Fernwärme liegt der Durchschnitt bei etwa 1.245 Euro.
Warum die großen Unterschiede?
Wärmepumpen erscheinen auf den ersten Blick teuer — Strom kostet schließlich rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Der Trick: Sie benötigen deutlich weniger Energie. Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugen sie 2,5 bis 3,5 Kilowattstunden Wärme. Dadurch liegen die tatsächlichen Kosten pro Quadratmeter unter denen von Gas oder Öl.
Fernwärme ist oft teurer als erwartet. Die Preise schwanken regional stark, und du bist an einen einzigen Anbieter gebunden. Ein Wechsel ist nicht möglich.
So berechnest du deine Heizkosten pro m²
Nimm deine letzte Heizkostenabrechnung zur Hand. Du brauchst zwei Zahlen: deine Gesamtheizkosten (die Summe aus Heizung und Warmwasser, steht meist am Ende der Abrechnung) und deine Wohnfläche (findest du im Mietvertrag oder auf der Abrechnung selbst). Teile die Gesamtkosten durch die Wohnfläche — fertig.
Beispiel: Du zahlst 1.400 Euro Heizkosten für deine 80-Quadratmeter-Wohnung. Das ergibt 17,50 €/m². Vergleiche das Ergebnis mit der Tabelle oben. Liegt dein Wert im Durchschnitt? Gut. Liegt er darüber? Weiterlesen.
Deine Kosten sind zu hoch — woran liegt das?
Wenn deine Heizkosten deutlich über dem Durchschnitt liegen, kommen drei Ursachen infrage.
Die Abrechnung enthält Fehler
Das ist häufiger, als du denkst. Laut Studien enthält etwa jede zweite Heizkostenabrechnung mindestens einen Fehler. Die häufigsten:
Falscher Verteilerschlüssel. Die Heizkostenverordnung erlaubt Verteilungen zwischen 50/50 und 70/30 (Verbrauch/Grundkosten). Liegt dein Schlüssel außerhalb? Fehler.
Falsche Wohnfläche. Weicht die Quadratmeterzahl auf der Abrechnung von deinem Mietvertrag ab? Fehler.
Unzulässige Kostenpositionen. Reparaturen und Wartungsarbeiten dürfen nicht vollständig umgelegt werden. Trotzdem passiert es.
Geschätzte Verbrauchswerte. Ohne nachvollziehbaren Grund darf dein Verbrauch nicht geschätzt werden.
Mehr dazu: Die häufigsten Fehler in Heizkostenabrechnungen
Das Gebäude ist schlecht gedämmt
In Altbauten gehen bis zu 40 Prozent der Wärme durch Wände, Fenster und Dach verloren. Das kannst du als Mieter nicht ändern — aber du solltest es wissen, wenn du deine Kosten einordnest.
Die Energiepreise sind gestiegen
Zwischen 2021 und 2024 haben sich die Preise für Gas, Öl und Fernwärme nahezu verdoppelt. Ein direkter Vergleich mit Abrechnungen von vor drei Jahren führt deshalb in die Irre. Vergleiche immer mit aktuellen Referenzwerten.
Praxisbeispiel: So hat Mara 280 Euro zurückbekommen
Mara aus Hamburg erhielt ihre Heizkostenabrechnung: 1.350 Euro für ihre 70-Quadratmeter-Wohnung mit Gasheizung. Im Vorjahr waren es nur 920 Euro — dabei hatte sie nicht mehr geheizt.
Ihre Rechnung: 1.350 € ÷ 70 m² = 19,29 €/m²
Der Durchschnitt für Gas liegt bei 16,86 €/m². Maras Wert lag 14 Prozent darüber. Das war verdächtig.
Was Mara tat: Sie schaute sich die Abrechnung genauer an. Die Wohnfläche stimmte. Aber dann fiel ihr etwas auf: Der Verteilerschlüssel hatte sich geändert — von 50/50 auf 70/30 zugunsten der Grundkosten. Für ihre kleine Wohnung ein Nachteil. Außerdem entdeckte sie eine Position über 380 Euro für "Heizungswartung", die verdächtig hoch wirkte.
Das Ergebnis: Nach Belegeinsicht zeigte sich: Die 380 Euro enthielten Reparaturkosten, die nicht umlagefähig sind. Außerdem war der Verteilerschlüssel ohne Ankündigung geändert worden. Nach ihrem Widerspruch korrigierte die Hausverwaltung die Abrechnung. Ersparnis: 280 Euro.
Wann lohnt sich ein Widerspruch?
Ein Widerspruch gegen deine Heizkostenabrechnung lohnt sich besonders in diesen Fällen:
Deine Kosten liegen mehr als 25 Prozent über dem Durchschnitt für deinen Gebäude- und Heizungstyp — ohne dass du dein Heizverhalten geändert hast.
Deine Kosten sind zum Vorjahr stark gestiegen (mehr als 30 Prozent), obwohl die Energiepreise stabil geblieben sind.
Du findest konkrete Fehler — falscher Verteilerschlüssel, abweichende Wohnfläche, unzulässige Kostenpositionen.
Wichtig: Du hast 12 Monate Zeit nach Erhalt der Abrechnung, um Einwände zu erheben. Danach verfällt dein Recht auf Korrektur.
Mehr dazu: Widerspruch gegen Heizkostenabrechnung — So gehst du vor
Kürzungsrechte: Wann du automatisch weniger zahlen musst
Die Heizkostenverordnung gibt dir in bestimmten Fällen das Recht, deine Heizkosten zu kürzen — unabhängig davon, ob die Abrechnung sonst korrekt ist.
Das wichtigste Kürzungsrecht: 15 Prozent, wenn überhaupt keine verbrauchsabhängige Abrechnung erfolgt. Das passiert selten, aber es kommt vor. Häufiger greift das 3-Prozent-Kürzungsrecht — wenn du keine monatlichen Verbrauchsinformationen erhältst. Seit 2022 sind Vermieter dazu verpflichtet. Sind deine Zähler noch nicht fernablesbar und werden bis Ende 2026 nicht umgerüstet? Dann kommen weitere 3 Prozent dazu.
Das Beste daran: Du musst diese Kürzungsrechte nicht begründen. Du musst sie nur einfordern.
Häufig gestellte Fragen
Was sind normale Heizkosten pro m² in Deutschland?
Wie berechne ich meine Heizkosten pro m²?
Warum sind meine Heizkosten höher als der Durchschnitt?
Kann ich meine Heizkosten kürzen, wenn sie zu hoch sind?
Die Daten in diesem Artikel stammen aus dem Heizspiegel 2025 von co2online und dem Deutschen Mieterbund. Die Werte dienen als Orientierung — individuelle Abweichungen sind möglich. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. In komplexen Fällen empfehlen wir, einen Fachanwalt oder den Mieterverein zu kontaktieren.

