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Energiearmut: Hilfe wenn du die Heizkosten nicht zahlen kannst

Heizkosten zu hoch? Staatliche Hilfen, Beratungsstellen, Ratenzahlung und Härtefallanträge – so bekommst du Unterstützung bei Energiearmut.

HT
HeizkostenChecker Team
9 Min. Lesezeit

Der Brief liegt auf dem Küchentisch. 847 Euro Nachzahlung. Du rechnest nach: Das ist mehr als dein halbes Monatsgehalt. Oder dein ganzes Bürgergeld. Der Magen zieht sich zusammen. Wie sollst du das bezahlen?

Du bist nicht allein. Rund 5,5 Millionen Haushalte in Deutschland gelten als energiearm – sie geben mehr als 10% ihres Einkommens für Energie aus. Für viele bedeutet das: Heizung runterdrehen, im Winter frieren, oder zwischen Miete und Strom wählen.

Aber es gibt Hilfe. Staatliche Leistungen, Beratungsstellen, Härtefallfonds – Wege, die viele nicht kennen. Hier erfährst du, welche Unterstützung dir zusteht und wie du sie bekommst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Energiearmut betrifft Haushalte, die >10% des Einkommens für Energie ausgeben
  • Wohngeld kann auch Heizkosten abdecken – prüfe deinen Anspruch
  • Bürgergeld übernimmt angemessene Heizkosten vollständig
  • Härtefallfonds helfen bei akuter Zahlungsunfähigkeit
  • Ratenzahlung mit Vermieter ist oft möglich – frag aktiv nach
  • Sperren verhindern: Energieversorger müssen Alternativen anbieten

Was ist Energiearmut?

Die Definition

Von Energiearmut spricht man, wenn ein Haushalt mehr als 10% seines Nettoeinkommens für Energie (Strom, Heizung, Warmwasser) ausgeben muss. In Deutschland betrifft das:

  • Ca. 5,5 Millionen Haushalte
  • Besonders: Alleinerziehende, Rentner, Geringverdiener
  • Verstärkt in unsanierten Altbauten

Warnsignale erkennen

Du könntest von Energiearmut betroffen sein, wenn:

WarnsignalBedeutung
Heizung oft aus, obwohl dir kalt istSparverhalten aus Geldnot
Nachzahlung > 1 MonatsgehaltFinanzielle Überlastung
Wahl zwischen Miete und EnergieExistenzielle Knappheit
Schulden bei Versorger/VermieterAkute Zahlungsprobleme
Abschaltungsdrohung erhaltenAkuter Handlungsbedarf

Soforthilfe: Was du jetzt tun kannst

Schritt 1: Ruhe bewahren und Situation analysieren

Bevor du in Panik gerätst: Verschaffe dir einen Überblick.

Notiere:

  • Wie hoch ist die Nachzahlung/Rechnung?
  • Bis wann musst du zahlen?
  • Welches Einkommen hast du?
  • Bekommst du bereits Sozialleistungen?

Schritt 2: Zahlungsfrist prüfen

Bei Nebenkostenabrechnungen hast du 30 Tage Zeit. Das ist mehr, als viele denken. Nutze diese Zeit, um Hilfe zu organisieren – nicht, um zu ignorieren.

Schritt 3: Aktiv werden

SituationNächster Schritt
Nachzahlung zu hoch, aber zahlbarRatenzahlung mit Vermieter vereinbaren
Nachzahlung nicht zahlbarHärtefallantrag oder Sozialleistung prüfen
Bereits SchuldenSchuldnerberatung aufsuchen
AbschaltungsdrohungSofort Beratungsstelle kontaktieren

Staatliche Hilfen im Überblick

Wohngeld

Das Wohngeld ist ein Zuschuss zu den Wohnkosten – inklusive Heizkosten. Seit der Reform 2023 haben deutlich mehr Menschen Anspruch.

Wer bekommt Wohngeld?

  • Geringverdiener (auch mit Vollzeitjob!)
  • Rentner mit kleiner Rente
  • Studenten (ohne BAföG-Anspruch)
  • Alle, die knapp über der Bürgergeld-Grenze liegen

Wie viel?

HaushaltsgrößeDurchschnittliches Wohngeld
1 Person190–290 €/Monat
2 Personen240–370 €/Monat
3 Personen290–450 €/Monat
4 Personen340–520 €/Monat

Wo beantragen?

  • Wohngeldstelle deiner Stadt/Gemeinde
  • Oft auch online möglich

Bürgergeld (früher Hartz IV)

Das Bürgergeld übernimmt angemessene Heizkosten vollständig. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Wohngeld.

Was heißt "angemessen"?

Die Jobcenter haben Richtwerte, die sich nach Wohnungsgröße und Region richten. Grob:

HaushaltsgrößeHeizkosten-Richtwert (ca.)
1 Person60–90 €/Monat
2 Personen80–120 €/Monat
3 Personen100–150 €/Monat

Wichtig: Auch wenn du arbeitest, kannst du ergänzend Bürgergeld bekommen ("Aufstocker").

Wo beantragen?

  • Jobcenter deines Wohnorts
  • Termin online oder telefonisch

Härtefallfonds und Einmalhilfen

Für akute Notlagen gibt es Sondertöpfe:

HilfeWer?Was?
Sozialamt-DarlehenAlleEinmalzahlung als Darlehen
Energieschulden-FondsKommunalÜbernahme von Rückständen
Caritas/DiakonieAlleÜberbrückungshilfe
StiftungenVariiertEinmalige Zuschüsse

Tipp: Frag bei der Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung nach lokalen Hilfsangeboten – die kennen oft Töpfe, die nicht öffentlich beworben werden.


Praxisbeispiel: Wie Maria aus der Energieschuldenfalle kam

Maria, 58, aus Duisburg, arbeitet als Reinigungskraft. 1.400 Euro netto im Monat. Ihre Nebenkostenabrechnung 2025: 920 Euro Nachzahlung. Unmöglich zu zahlen.

Was Maria tat:

  1. Tag 1: Panik. Aber dann: Verbraucherzentrale angerufen.
  2. Tag 3: Beratungstermin. Dort erfuhr sie: Mit ihrem Einkommen hat sie Wohngeld-Anspruch – den sie nie beantragt hatte.
  3. Tag 5: Wohngeld-Antrag gestellt (rückwirkend möglich!).
  4. Tag 7: Vermieter angerufen, Ratenzahlung vereinbart: 150 Euro/Monat über 6 Monate.
  5. Tag 14: Härtefallantrag beim Sozialamt für die ersten 2 Raten.

Das Ergebnis:

  • Wohngeld bewilligt: 210 Euro/Monat (auch für Heizkosten)
  • Härtefalldarlehen: 300 Euro (zinslos, Rückzahlung über 12 Monate)
  • Ratenzahlung mit Vermieter akzeptiert
  • Gesamtlösung: Nachzahlung wurde über 6 Monate abbezahlt, Wohngeld deckt künftig die Vorauszahlung

Marias Fazit: "Ich wusste nicht, dass mir Hilfe zusteht. Ich dachte, ich verdiene zu viel. Das stimmt nicht."


Beratungsstellen: Hier bekommst du Hilfe

Kostenlose Beratung

AnlaufstelleWas sie bietenKontakt
VerbraucherzentraleEnergieberatung, Rechtsberatungverbraucherzentrale.de
CaritasSozialberatung, Überbrückungshilfecaritas.de
DiakonieSozialberatung, Schuldnerberatungdiakonie.de
SchuldnerberatungSchuldenregulierung, VerhandlungKommunal, oft beim Sozialamt
MietervereinMietrechtliche Beratungmieterbund.de

So bereitest du dich vor

Für die Beratung brauchst du:

  • Einkommensnachweise (Lohnzettel, Rentenbescheid)
  • Mietvertrag
  • Aktuelle Nebenkostenabrechnung
  • Letzte Strom-/Gasrechnung
  • Ggf. bestehende Bescheide (Wohngeld, Bürgergeld)

Ratenzahlung mit dem Vermieter

Warum Vermieter oft zustimmen

Viele Mieter trauen sich nicht zu fragen. Dabei ist Ratenzahlung oft im Interesse des Vermieters:

  • Sicherheit: Er bekommt das Geld – nur eben gestreckt
  • Keine Kündigung nötig: Streit und Leerstand vermeiden
  • Gute Mieter halten: Wer offen kommuniziert, ist oft zuverlässig

So fragst du richtig

Muster-Formulierung:

"Sehr geehrte/r [Vermieter], ich habe die Nebenkostenabrechnung erhalten. Die Nachzahlung von [Betrag] Euro kann ich leider nicht auf einmal zahlen. Ich schlage eine Ratenzahlung von [X] Euro über [Y] Monate vor. Ich würde mich freuen, wenn wir eine Lösung finden."

Tipps für die Verhandlung

  • Früh fragen – nicht erst kurz vor Fristende
  • Konkret werden – nenne einen Betrag und Zeitraum
  • Schriftlich bestätigen – Was vereinbart wird, aufschreiben
  • Erste Rate sofort – Zeigt guten Willen

Energiesperre verhindern

Wann darf gesperrt werden?

Energieversorger dürfen Strom oder Gas nur sperren, wenn:

  • Rückstände von mindestens 100 Euro bestehen
  • Mindestens 2 Mahnungen verschickt wurden
  • Eine Sperrankündigung mit 4 Wochen Vorlauf erfolgte
  • Keine unverhältnismäßige Härte vorliegt

Was ist "unverhältnismäßige Härte"?

Sperren sind unzulässig, wenn:

SituationGrund
Kleinkinder im HaushaltGesundheitsgefährdung
Pflegebedürftige PersonenMedizinische Notwendigkeit
SchwangerschaftGesundheitsschutz
Schwere KrankheitÄrztliches Attest

Wichtig: Du musst die Härte aktiv geltend machen – der Versorger prüft nicht von selbst.

So verhinderst du die Sperre

  1. Nicht ignorieren – Mahnungen ernst nehmen
  2. Kontakt aufnehmen – Ratenzahlung anbieten
  3. Härtefall darlegen – Wenn zutreffend, mit Nachweisen
  4. Beratung holen – Verbraucherzentrale, Schuldnerberatung
  5. Sozialleistung beantragen – Kann rückwirkend helfen

Langfristig: Heizkosten senken

Neben akuter Hilfe solltest du auch langfristig die Kosten reduzieren:

Kurzfristige Maßnahmen

MaßnahmeErsparnis
Raumtemperatur um 1°C senkenCa. 6% Heizkosten
Stoßlüften statt KipplüftenWeniger Wärmeverlust
Heizkörper entlüftenBessere Wärmeabgabe
Türen zu kälteren Räumen schließenWärme bleibt im Raum

Mittelfristige Maßnahmen

  • Vorauszahlung anpassen – Lieber monatlich mehr zahlen als jährlich Schock
  • Abrechnung prüfenFehler finden, Geld zurückbekommen
  • Anbieterwechsel bei Strom/Gas – Sparpotenzial prüfen

Bei Vermietern ansprechen

  • Alte Fenster? → Modernisierung einfordern
  • Schlechte Dämmung? → Energieausweis verlangen
  • Ineffiziente Heizung? → Hydraulischer Abgleich als Pflicht

Checkliste: Energiearmut – Sofortmaßnahmen

Bei hoher Nachzahlung

  • Abrechnung auf Fehler prüfen
  • Zahlungsfrist notieren (30 Tage)
  • Wohngeld-Anspruch prüfen
  • Bürgergeld-Ergänzung prüfen (auch für Berufstätige!)
  • Ratenzahlung mit Vermieter anfragen
  • Härtefallantrag beim Sozialamt stellen
  • Beratungstermin bei Verbraucherzentrale/Caritas

Bei Sperrungsdrohung

  • Rückstandshöhe prüfen (unter 100 Euro = keine Sperre)
  • Härtefall prüfen (Kinder, Krankheit, Schwangerschaft)
  • Sofort Kontakt mit Versorger aufnehmen
  • Ratenzahlung anbieten
  • Beratungsstelle kontaktieren
  • Sozialleistung beantragen

Häufige Fragen zu Energiearmut und Hilfe

Ich arbeite Vollzeit – bekomme ich trotzdem Hilfe?
Ja, möglicherweise. Wohngeld ist für Geringverdiener gedacht, nicht nur für Arbeitslose. Und auch ergänzendes Bürgergeld ist möglich, wenn dein Einkommen nicht ausreicht. Die Grenzen sind höher, als viele denken. Lass dich beraten – es kostet nichts.
Kann der Vermieter mir wegen Schulden kündigen?
Erst bei erheblichem Rückstand (mindestens 2 Monatsmieten oder 2 aufeinanderfolgende Teilzahlungen). Eine einmalige Nachzahlung, die du in Raten zahlst, ist kein Kündigungsgrund. Wichtig: Kommuniziere aktiv und zahle, was du kannst.
Wie schnell bekomme ich Wohngeld?
Die Bearbeitungszeit variiert (4-12 Wochen), aber: Wohngeld wird ab dem Monat der Antragstellung gezahlt, nicht ab Bewilligung. Also: Schnell beantragen, auch wenn noch Unterlagen fehlen.
Was ist, wenn meine Heizkosten über dem Richtwert liegen?
Das Jobcenter kann auch höhere Kosten übernehmen, wenn sie 'unvermeidbar' sind – z.B. weil die Wohnung schlecht gedämmt ist. Du musst aber nachweisen, dass du sparsam heizt. Im Zweifel: Widerspruch einlegen.
Darf die Heizung im Winter gesperrt werden?
Heizung speziell wird selten gesperrt (meist Strom/Gas gesamt). Aber: Bei zentraler Heizung über den Vermieter kann der nicht einfach abschalten – er muss die Wohnung bewohnbar halten. Bei Gas-Etagenheizung: Härtefallregelung nutzen.
Ich schäme mich, um Hilfe zu fragen. Was tun?
Verständlich, aber unbegründet. Energiearmut betrifft Millionen Menschen – viele davon arbeiten. Die Beratungsstellen sind vertraulich und wertungsfrei. Es ist keine Schwäche, Hilfe anzunehmen, die dir zusteht.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Sozial- oder Rechtsberatung. Bei akuter Notlage wende dich an eine Beratungsstelle in deiner Nähe.

HT

HeizkostenChecker Team

Veröffentlicht am 21. Januar 2026

Themen:EnergiearmutHilfeWohngeldBürgergeldHeizkostenSoziales

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