Jeder Heizkörper in deiner Wohnung hat wahrscheinlich ein Thermostatventil – das Drehrad mit den Zahlen 1 bis 5. Das ist kein Zufall: Die sogenannte Einzelraumregelung ist gesetzlich vorgeschrieben. Aber was bedeutet das eigentlich für dich als Mieter?
In diesem Artikel erfährst du, was Einzelraumregelung ist, warum sie Pflicht ist und wie du damit Heizkosten sparen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Einzelraumregelung = Jeder Raum einzeln temperaturregelbar
- Pflicht seit 1978, verschärft durch EnEV und GEG
- Thermostatventile sind der Standard in Mietwohnungen
- Vorteile: Bis zu 10-15% Heizkosten sparen
- Vermieter muss funktionierende Ventile gewährleisten
Was ist Einzelraumregelung?
Einzelraumregelung bedeutet, dass die Temperatur in jedem Raum unabhängig von den anderen Räumen geregelt werden kann.
In der Praxis
In den meisten Wohnungen geschieht das durch Thermostatventile an den Heizkörpern. Du drehst am Ventil, und der Heizkörper reguliert automatisch die Wärmezufuhr, um die gewünschte Temperatur zu halten.
Das Gegenteil: Zentrale Regelung
Ohne Einzelraumregelung würde eine zentrale Stelle (z.B. im Keller) die Temperatur für das ganze Haus festlegen. Das Problem: Jeder Raum hätte die gleiche Temperatur – egal ob Schlafzimmer oder Bad.
Die gesetzliche Pflicht
Seit wann gilt die Pflicht?
Die Pflicht zur Einzelraumregelung besteht seit 1978 für Neubauten. Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) und dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde sie mehrfach verschärft.
Was schreibt das Gesetz vor?
Nach § 63 GEG müssen Heizungsanlagen mit Wasser als Wärmeträger mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raumweisen Temperaturregelung ausgestattet sein.
Das bedeutet in der Praxis: Thermostatventile an jedem Heizkörper.
Ausnahmen
Es gibt wenige Ausnahmen:
- Sehr kleine Räume (unter 6 m²)
- Räume mit Fußbodenheizung und zentraler Regelung
- Denkmalgeschützte Gebäude (mit Auflagen)
So funktionieren Thermostatventile
Die Zahlen verstehen
| Stufe | Temperatur (ca.) |
|---|---|
| * | Frostschutz (~6°C) |
| 1 | ~12°C |
| 2 | ~16°C |
| 3 | ~20°C |
| 4 | ~24°C |
| 5 | ~28°C |
Wichtig: Die Stufen bedeuten nicht "Heizleistung", sondern Zieltemperatur. Auf Stufe 3 heizt der Heizkörper so lange, bis 20°C erreicht sind – dann stoppt er automatisch.
Häufiger Fehler
Viele drehen das Thermostat auf 5, damit es "schneller warm wird". Das stimmt nicht! Der Heizkörper heizt gleich schnell, aber auf 5 wird es am Ende 28°C warm – und du verschwendest Energie.
Richtig: Gewünschte Temperatur einstellen und warten.
Vorteile für Mieter
Energiesparen
Mit funktionierenden Thermostatventilen kannst du:
- Schlafzimmer kühler halten (16-18°C)
- Bad wärmer einstellen (22-24°C)
- Bei Abwesenheit herunterdrehen
- Nachts automatisch absenken lassen
Ersparnis: 10-15% der Heizkosten sind realistisch.
Mehr Komfort
Du bestimmst selbst, wie warm es in jedem Raum sein soll. Kein Kompromiss mehr zwischen "zu warm im Wohnzimmer" und "zu kalt im Bad".
Kostenverteilung
Die Einzelraumregelung ist Voraussetzung für eine verbrauchsabhängige Abrechnung. Wer weniger heizt, zahlt auch weniger.
Pflichten des Vermieters
Was der Vermieter gewährleisten muss
- Funktionierende Thermostatventile an allen Heizkörpern
- Reparatur defekter Ventile auf seine Kosten
- Austausch veralteter Ventile bei Modernisierung
Defektes Thermostat: Deine Rechte
Wenn ein Thermostatventil nicht funktioniert:
- Vermieter informieren (schriftlich)
- Frist setzen zur Reparatur
- Mietminderung bei Nichtreaktion (ca. 5-10%)
Programmierbare Thermostate
Die moderne Variante
Programmierbare oder smarte Thermostate bieten zusätzliche Vorteile:
- Zeitsteuerung: Automatisch absenken nachts/bei Abwesenheit
- App-Steuerung: Heizung von unterwegs regeln
- Lernfunktion: Passt sich deinem Verhalten an
Darf ich als Mieter umrüsten?
Ja, unter Bedingungen:
- Alte Ventile aufbewahren (für den Auszug)
- Fachgerechte Installation (oder selbst können)
- Bei Auszug zurückbauen (falls Vermieter es verlangt)
Kosten: Ab ca. 20 € pro Thermostat (einfach) bis 50 € (smart).

